Leseprobe

„Von wilden Dackeln zu Zahmen Wölfen“

Prinzipiell. Die Diskussion war hoch emotional und furchtbar unsachlich. „Es ist doch unwürdig und absurd, eifersüchtig auf einen Dackel zu sein. Schließlich bist du mein Mann!“ so etwa lief meine Argumentation. Nicht sehr erfolgreich. Er wetterte: „Der Köter gehört nicht in mein Bett!“ – „Erstens ist das hier mein Dackel und kein Köter. Zweitens ist das auch mein Bett und drittens habe ich hier ein sehr, sehr kleines Säugetier zum ersten Mal in fremder Umgebung und das braucht jetzt Körperkontakt!“ Damit hatte ich einen Punkt. Er, der sich den lieben, langen Tag mit den psychischen Defiziten der Säugetiere beschäftigte, die sich Menschen nannten, wusste doch wie wichtig Körperkontakt für die Entwicklung ist und zeigte sich an dieser Stelle einsichtig. „Aber nicht als Dauerzustand! Gute Nacht.“ Damit beendete er den Streit, und er dachte, er hat das letzte Wort. Aber natürlich hat die Dackelin gewonnen. Sie blieb im Bett, auf meiner Seite zwar und in respektvollem Abstand zur anderen Hälfte der Schlafstatt, aber sie blieb. Etwa zwei Wochen später brachte der liebe Gatte zwei sehr kleine, sehr hübsche, schwarz-weiße Katzenbabys mit nach Hause. Irgendwo auf dem ländlichen Klinikgelände waren sie verwaist und halb verhungert aufgesammelt und in Sicherheit gebracht worden. Und natürlich kamen sie wie gerufen für eine angemessene Retourkutsche im heimatlichen Ehebett. Das Motiv hinter dieser Rettungsaktion war ziemlich durchsichtig, das Ziel ebenfalls. Servierst du mir einen Hund, kontere ich mit zwei Katzen, wir werden ja sehen was dein Dackel dazu sagt! Mine und ich mussten ihn leider enttäuschen. Wir waren begeistert von diesem Neuzugang! Der lange dunkle Flur wurde zur Rennstrecke für Hund und Katz, die Küche zum tierischen Spielplatz und unser Bett … na klar, die Katzen rollten sich liebend gern schnurrend am Fußende zusammen. Das eheliche Gleichgewicht war wiederhergestellt.